Inbetriebnahme:
Die Inbetriebnahme des ACAM-Systems erfolgt in der Regel durch einen Mitarbeiter der Firma ACOUSTICON Hörsysteme GmbH. Sie beinhaltet die Installation der ACAM Software, eine Endkalibrierung der Freifeldlautsprecher auf die örtlichen Gegebenheiten und eine abschließende Funktionskontrolle.
Als Anwender des Systems haben Sie außerdem eine Einweisung in die grundlegenden Funktionen erhalten und Sie wurden auf unsere Sicherheitshinweise aufmerksam gemacht.
Wir empfehlen trotzdem dringend, dieses Handbuch zu lesen, um mögliche Fehlbedienungen zu vermeiden. Sollten Sie mit bestimmten Funktionen der ACAM nicht vertraut sein, können Sie mit uns Kontakt aufnehmen.
Eine einwandfreie Funktion der ACAM ist nur gewährleistet, wenn die Technischen Voraussetzungen erfüllt sind.
Wenn Sie ACAM an einem anderen Rechner installiert werden soll, empfehlen wir dringend, dies von unserem Personal durchführen zu lassen, weil durch geänderte Hardware (z.B. andere Soundkarte) eine Neukalibrierung erforderlich werden kann.
Umbauen Sie das ACAM Steuergerät nicht zu stark! Die elektronischen Komponenten des ACAM Systems dürfen nicht einer Umgebungstemperatur von mehr als 45°C ausgesetzt werden! Wird das Steuergerät nicht ausreichend belüftet, kann diese Temperatur überschritten werden und es kann zu Fehlfunktionen kommen. Stellen Sie aus diesem Grund das Steuergerät immer waagerecht, denn sonst ist keine ausreichende Belüftung gewährleistet. Wenn Sie ACAM in einem Möbel unterbringen, so muss auch dort für ausreichend Belüftung gesorgt sein.
Allgemeines:
ACAM wurde für die Betriebssysteme Windows 7 (64 Bit) , 8.1 (64 Bit) und Windows 10 (64 Bit) und zum gemeinsamen Betrieb mit NOAH 4 programmiert. Unsere Tests, die wir vor Auslieferung der Software machen, beziehen sich auf diese Konfigurationen (Siehe auch Kapitel Installation).
Wir können für andere Betriebssystenvarianten und andere NOAH Versionen keine Garantie übernehmen.
Sie sollten die von uns bei Inbetriebnahme des Systems geprüfte und für gut attestierte Umgebung "nicht" ändern. Wenn Sie einen neuen Computer bekommen, sollten Sie unbedingt vorher Kontakt mit uns aufnehmen, damit auch weiterhin ein problemloser und fehlerfreier ACAM-Betrieb möglich ist.
Auf dem Rechner sollten keine unnötigen Programme installiert werden, die den Betrieb von ACAM stören könnten. Dies sind vor allem: Softwarefirewalls, zusätzliche Netzwerkkarten, bestimmte Virenscanner, rechenintensive Bildschirmschoner.
Weil an den Computer ein Medizinprodukt (die ACAM) angeschlossen ist wird dieser ebenfalls zu einem Medizinprodukt und deshalb sollte nicht nur mit ACAM sorgsam umgegangen werden sondern auch mit dem mit ACAM verbundenen Steuerrechner.
Pflege, Wartung und Service:
Das ACAM-System sollte in regelmäßigen Abständen einer Überprüfung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass alle Funktionen einwandfrei arbeiten und eine ausreichende Messgenauigkeit gegeben ist. In regelmäßigen Abständen wird beim ACAM Start ein Hinweis gegeben, der Sie auf diese Notwendigkeit hinweist. Es müssen mindestens die in dem Formblatt angegebenen Gerätefunktionen überprüft werden (Siehe wöchentliche Überprüfung). Zusätzlich ist eine sicherheitstechnische- und messtechnische Kontrolle seitens der Firma ACOUSTICON in einem 1 jährigen Turnus durchzuführen (siehe auch Medizinproduktebuch).
Wenn Sie die Schallwandler sorgsam behandeln, dann wird ACAM sehr lange störungsfrei funktionieren. Sehr wenige mechanische Teile unterliegen auch entsprechend geringem Verschleiß. Erfahrungsgemäß sind es die Kabel, die ständig genutzt werden, welche zu Fehlern führen können.
Eine besondere Pflege ist nicht erforderlich. Alle Teile des ACAM Systems können mit handelsüblichen Reinigungsmitteln gereinigt werden. Besondere Pflegemittel sind nicht erforderlich. Es ist darauf zu achten, dass beim Reinigen keine Flüssigkeit in das Gerät eindringt. Verwenden Sie bitte dazu ein trockenes oder nebelfeuchtes Tuch.
Häufiges Ein- und Ausschalten des Steuergerätes ist schlechter als Dauerbetrieb. Schalten Sie das Steuergerät morgens ein und abends aus. Das ist das beste Gleichgewicht zwischen Verschleiß und unnötigem Stromverbrauch.
Wenn ein Modul getauscht werden muss können Sie dies in vielen Fällen selbst machen. Eine Anleitung dazu finden Sie im Kapitel: Anleitung zum Modultausch.
Die technische Beschreibung wird nur an Servicepersonal ausgehändigt.
Updates:
In unregelmäßigen Abständen - ungefähr 2-mal jährlich - liefern wir eine neue Softwareversion. Diese ist im Allgemeinen ein Gemisch aus Fehlerbeseitigung und Erweiterung neuer Funktionen. Sofern Sie einen Wartungsvertrag mit uns abgeschlossen haben, senden wir Ihnen diese Programmversion per Post zu.
Zwischenversionen oder kleinere Änderungen werden nur über unsere Homepage publiziert.
Die Installation eines Updates sollten Sie nur zu einem Zeitpunkt vornehmen, an dem Sie auch unseren Support erreichen können. Wenn Ihr Rechner an dem ACAM betrieben wird einen Internetzugang besitzt, dann können wir Ihnen schnell und unkompliziert per Fernwartung helfen.
Siehe auch Kapitel Installation.
Probleme und Fehler im Betrieb:
Da ACAM eine sehr umfangreiche Software ist, kann auch mal etwas nicht funktionieren. Das kann ein Bedienungsfehler, aber natürlich auch ein Fehler in der Software sein. Am Besten Sie rufen unsere Hotline an. Wenn Sie einen Servicevertrag mit uns haben, ist dies für Sie kostenfrei. Unsere Supportmitarbeiter werden sich des Problems annehmen und feststellen, ob es sich um einen Fehler oder ein Bedienproblem handelt. Auch in diesem Fall hat sich unsere Fernwartung bestens bewährt. Aus Erfahrung wissen wir, dass rund 80% der Anrufe Fragen zur Bedienung sind. In diesen Fällen können wir per Fernwartung Ihren Rechner steuern und gleichzeitig per Telefon erklären, was wir machen. So beheben wir das Problem und Sie lernen auch gleich etwas dabei.
Siehe auch Kapitel Troubleshooting.
Das Zusammenspiel mit NOAH:
Das Abspeichern der Daten unter NOAH erfolgt über eine von NOAH zur Verfügung gestellte Schnittstelle. ACAM übergibt seine Daten an diese Schnittstelle und erhält auf Anforderung seine Daten von dort. Leider liefert NOAH nicht alle Daten, die in ACAM sinnvoll wären. Das liegt nicht an ACAM, sondern an NOAH, welches diese Daten nicht bereitstellt.
Hinweise zu Messboxmessungen
Mit ACAM können Sie Hörgeräte - Übertragungsfunktionen ermitteln. Dabei hängt die Messgenauigkeit von der verwendeten Messkammer und den Mikrofonen ab. Die Ihnen gelieferte Elektronik hat eine Messdynamik von über 130 dB. Die Abweichungen betragen im Pegelbereich von 50dB bis 130dB ± 0.2 dB über den gesamten Frequenzbereich. Die mitgelieferten Messmikrofone sind Elektretmikrofone, die eine ausreichend gute Übertragungsfunktion besitzen, um, Hörgeräte- und Insitumessungen entsprechend der in den Normen geforderten Genauigkeiten durchzuführen.
Die Mikrofonempfindlichkeiten können sich jedoch im Laufe der Zeit verändern. Insbesondere durch den fortlaufenden Einsatz Ihres ACAM System unterliegen die Mikrofone einem zusätzlichen Verschleiß. Die Funktion der Mikrofone kann von Ihnen überprüft werden.
Überprüfung der Mikrofonempfindlichkeit
Um sicherzustellen, ob der angezeigte Schalldruckpegel tatsächlich dem im Kuppler erzeugten entspricht, müssen Sie mit einer Eichschallquelle einen definierten Schalldruck am Mikrofon erzeugen. Die im ACAM verwendeten Mikrofone haben einen Durchmesser, der den Anschluß der Brüjel & Kjear Eichschallquellen (Pistonphon oder Kalibrator mit ½ Zoll Adapter) erlauben. Sie können aber auch andere Schallquellen anschließen.
Überprüfung der Mikrofon-Frequenzlinearität
Legen Sie die Mikrofone ohne Kuppler auf die in der Messbox markierte Fläche. Führen Sie eine Messung mit Regelmikrofon durch. Die ermittelte Messkurve sollte nun einen geraden Strich ergeben. Die maximale Abweichung von dem eingestellten Eingangsschalldruck darf maximal ± 2dB betragen. Wenn die Kurve nicht gerade verläuft, also zum Beispiel in den unteren Frequenzen stimmt, in dem oberen Bereich aber nach unten oder oben wegläuft, dann ist das Regel oder das Kupplermikrofon defekt. Senden Sie dann beide Mikrofone zur Überprüfung an uns. Wir werden die Mikrofone gegebenenfalls austauschen.
Überprüfung der Mikrofon-Dynamiklinearität
Machen Sie eine LE-LA Messung mit Regelmikrofon von 40 dB bis 100 dB LE. Wenn die Kurve nicht exakt in einem Winkel von 45º verläuft, dann könnte eines der Mikrofone defekt sein. Senden Sie beide Mikrofone zur Überprüfung an uns.
Wenn Sie festgestellt haben, dass eine der oben geforderten Messgenauigkeiten nicht gegeben ist, sollten Sie zunächst eine Messboxkalibrierung durchführen. Erst wenn nach erfolgter Kalibrierung das Ergebnis nicht zufriedenstellend ist, schicken Sie die Mikrofone zu uns zur Überprüfung. Wenn die Kalibrierwerte sehr stark „daneben“ liegen, sind eventuell mehrere Durchgänge der Kalibrierung erforderlich. Ergänzende Hinweise zum Kalibrieren der Messbox finden Sie im ACAM Hilfetext.
Anforderungen an den Prüfraum
Um Hörgeräte Messungen sicher und reproduzierbar zu machen, muss Ihr Raum ausreichend leise sein. Der Störlärm in Ihrer ACAM Messbox muss mindestens 10dB geringer sein, als der geringste Eingangsschalldruck mit dem Sie messen möchten. Wenn Sie z.B. mit einem LE von 40 dB messen möchten, sollte der Pegel in Ihrem Prüfraum 30 dB oder geringer sein. Sie können den Störlärm in Ihrer ACAM Messbox leicht überprüfen, indem Sie einen Frequenzdurchlauf mit eingeschalteter Induktionsspule durchführen.
Wenn die Werte entsprechend höher liegen, schränkt dies lediglich den verfügbaren Messbereich ein.
Die Messung des Eigenrauschens eines Hörgerätes stellt allerdings eine Ausnahme dar. Wenn Sie nämlich den äquivalenten Eigenrauschpegel eines Hörgerätes messen möchten, dann muss der Störlärm in der Messbox um mindestens 10 dB unterhalb es zu erwartenden äquivalenten Eigenrauschens des Hörgerätes liegen. Das äquivalente Eigenrauschen liegt üblicherweise zwischen 20 und 40dB. Das heißt, dass maximal 10 dB Störlärm herrschen dürfen, um das äquivalente Eigenrauschen sicher messen zu können. Wenn Sie also ein sehr hohes Eigenrauschen ermitteln, denken Sie daran : Es könnte sich um den vom Hörgerät verstärkten Störlärm handeln!
Messbox Auf- und Umrüstungen
Wenn Sie Messungen nach der EN 60118-0 (das ist die bekannte IEC 118-0 in der europäischen Fassung) erstellen wollen, benötigen Sie einen Ohrsimulator nach IEC 711. Dieser Ohrsimulator wird zur Zeit nur von der Firma Brüel & Kjear angeboten und kostet mit Mikrofon und Vorverstärker etliche tausend €. Eine sinnvolle Alternative zu dem Ohrsimulator bietet Herr Prof. Keller mit seinem SES Kuppler (Simulierter Ohrsimulator) Dieser SES Kuppler kommt sehr dicht an die Daten des Ohrsimulators heran (± 2 dB nach Angaben von Prof. Keller) und ermöglicht Ihnen so die Messdaten der Hörgeräte Industrie, die mit dem Ohrsimulator ermittelt wurden in Annäherung zu überprüfen. Sie können den SES Kuppler über uns beziehen und ohne weiteres nachrüsten.
Wenn Sie einen Ohrsimulator, oder andere Mikrofone oder eine andere Messkammer an das ACAM System anschließen möchten, ist dies ohne weiters möglich.
Für die Mikrofone von B&K erhalten Sie über uns entsprechende Adapter. Wenn Sie andere als die mitgelieferten Schallwandler anschließen möchten, sollten Sie auf jeden Fall vorher mit uns Rücksprache halten, ob die entsprechenden Wandler kompatibel sind und wie die geforderte Messgenauigkeit sichergestellt werden kann.
Zwischen Computer und ACAM Steuergerät muss eine galvanische Trennung erfolgen. Dies geschieht mit dem USB-Isolator und dem Netzwerk-Isolator. Der USB-Isolator wird zwischen USB Soundkarte und das ACAM Steuergerät gesteckt. Dazu wird über ein USB Kabel zunächst der Isolator an den Rechner angeschlossen. Danach wird die Soundkarte eingesteckt und diese dann mit dem vorgesehenen Kabel mit dem AUX Eingang der ACAM verbunden. Die LAN Trennung erfolgt ähnlich. Zunächst wird der Isolator über ein LAN Kabel an den Rechner angeschlossen. Danach wird über ein weiteres Kabel eine Verbindung zum ACAM Steuergerät hergestellt.